"Haben Sie etwa etwas zu verbergen?" ist die typische Standard-Reaktion, wenn jemand im politischen Bereich wieder einmal mehr über uns alle erfassen, speichern und verwenden will. Immer mit dem Unterton, das "etwas zu verbergen zu haben" mit einer Straftat o.ä. gleichsetzt.

"Wir"(*) mussten erst lernen, diese "Frage" selbstbewusst mit "JA" zu beantworten. Denn "etwas zu verbergen zu haben" ist nichts Ungewöhnliches, nichts Schlimmes und keinesfalls strafbar.

Ich kann daher verstehen, wenn Bundespräsident Wulff zurückhaltend ist, Dinge aus seinem privaten Bereich an die Öffentlichkeit zu bringen, wenn er der Meinung ist, dass dies "die Öffentlichkeit" einfach nichts angeht. Solange dies keinen Einfluss auf seine Integrität in seinem Amt hat, hat uns das als Bürger doch eigentlich auch nicht zu interessieren, oder? Das Recht, was ich für mich selbst in Anspruch nehme, muss ich auch für andere gelten lassen.

Auch einem Ministerpräsidenten darf es peinlich sein, dass er, der ein Macher sein soll, der für uns alles richten soll, privat nach einer teuren Scheidung so pleite ist, dass er seiner neuen Familie kein eigenes Dach über dem Kopf hätte bieten können - wenn nicht ein Freund ihm einen Kredit gewährt hätte, den er so von keiner Bank bekommen hätte. Ich kann durchaus verstehen, dass er froh war, bei der Befragung im niedersächsischen Parlament das nicht öffentlich zugeben zu müssen.

Wer wird denn sonst auch noch bereit sein, in diesem Staat Verantwortung zu übernehmen? Sicher nicht die intelligenten, fähigen Personen mit Ecken und Kanten, die wir dort brauchen. Wir werden die Blender bekommen, die Hochstapler. Diejenigen, die uns (eine Zeit lang) vormachen können, sie wären etwas, was sie gar nicht sind. Dass sie keine normalen Menschen wie wir wären, sondern lebende Heilige. Denn nur diese könnten noch die Ansprüche erfüllen, die wir inzwischen an Politiker stellen, wenn auch nur scheinbar. Wir werden nur noch solche Leute bekommen wie z.B. den K.T. Guttenberg, die nur eine Rolle spielen und wenn sie auffliegen, sich einfach aus dem Staub machen. Und dieser steht ja offenbar sogar vor seinem Comeback, Wulff hingegen vor seinem Rücktritt. Da läuft doch in unserem politischen System grundsätzlich etwas falsch.

Wir sollten bei dieser ganzen Debatte auch eines nicht vergessen: Die gleichen Parteien und Politiker, die jetzt vom Menschen Christian Wulff "Vollständige Transparenz", "alles auf den Tisch" etc. fordern, werden sich demnächst mit der Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung befassen. Dann ist es nicht der Bundespräsident, sondern dann sind wieder wir(*) es, die diese blöde Frage gestellt bekommen.

(*) Hier kann jeder selbst entscheiden, ob er sich damit mitgemeint fühlt oder nicht.