Dem Kommentar von Spiegel Online ist kaum noch etwas hinzuzufügen [1]:
Eigentlich ist das Sommerloch schon länger vorbei und damit die Notwendigkeit für parlamentarische Hinterbänkler, sich mit originellen bis bizarren Vorschlägen bekannt zu machen.
Der italienische EU-Abgeordnete Tiziano Motti hat eine "Blackbox" für Computer gefordert [2], der "alle 'Bewegungen' bei der Nutzung des Webs registrieren" soll ("registrare tutti i 'movimenti' degli utenti sul web"). Also eine Art Online-Durchsuchung auf Vorrat. Begründung ist - wie könnte es anders sein - wieder einmal "Kinderpornografie".
"Natürlich" werden diese Daten - wie bei einem Flugschreiber - nur ausgelesen, wenn es unbedingt erforderlich ist. ("Cosi' come la scatola nera di un aereo viene aperta solo dopo un evento critico, anche i dati raccolti da Logbox verrebbero decriptati in caso di stretta necessita'") Was immer das auch heißen mag.
Wer nichts zu verbergen hat - wie könnte es anders sein - hat natürlich nichts zu befürchten.
Vielmehr sollen seiner Meinung nach damit gerade "die ehrlichen EU-Bürger geschützt werden" ("Vogliamo proteggere i cittadini onesti dell'Unione europea"). Nur müssen die wohl erst einmal beweisen, dass sie zu dieser Gruppe gehören, indem sie sich ununterbrochen und total überwachen lassen.
Motti gehört übrigens - auch dies könnte kaum anders sein - zur Fraktion der Christdemokraten.
[1] "EU-Politiker fordert Flugschreiber für Internet-Nutzer" SPON 21.10.2011
[2] "Pedofilia: Motti (Udc), Logbox proteggera' i cittadini" Ansa.it 20.10.2011